Nach der Geburt wird Ihnen in der Geburtsklinik und in der Kinderarztpraxis die Gabe von Vitamin K empfohlen. Doch warum eigentlich? Ganz einfach: Vitamin K hilft dem kleinen Körper Ihres Babys, die Blutgerinnung richtig zu steuern.
Weil der Speicher für Vitamin K bei Neugeborenen anfangs fast leer ist, besteht in den ersten Wochen ein kleines Risiko für Blutungen – zum Beispiel an der Nabelschnur oder im Kopf. Das Risiko betrifft etwa eines von 10.000 Babys, vor allem dann, wenn sie voll gestillt werden und die Leber noch etwas Starthilfe braucht.
Keine Sorge: Durch die routinemäßige und sichere Gabe von Vitamin K bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen lässt sich dieses Risiko kinderleicht und ohne Pieks verhindern.
Die Vitamin-K-Konzentration in der Muttermilch unterscheidet sich individuell von Mutter zu Mutter. Zusätzlich ist die Muttermilch in den verschiedenen Stillphasen unterschiedlich zusammengesetzt.
Das Kolostrum, welches kurz nach der Geburt abgegeben wird, enthält eine hohe Vitamin-K-Konzentration. Die später folgende, durstlöschende Vordermilch beinhaltet wesentlich weniger Vitamin-K-Konzentration.
Mit dem Ende einer Stillmahlzeit und dem Trinken der sogenannten Hintermilch steigt die Vitamin-K-Konzentration wieder an. Die Schwankungen der Vitamin-K-Menge in der Muttermilch ist jedoch kein Grund, auf das Stillen zu verzichten, da dieses zahlreiche andere Vorteile gegenüber Flaschenmilch bringt.
Um einem Vitamin-K-Mangel vorzubeugen und die gesunde Entwicklung des Neugeborenen zu unterstützen, wird die Gabe von Vitamin K von Kinderärzten empfohlen.
In Deutschland wird Vitamin K in der Regel als Tropfen über den Mund im Rahmen der ersten drei Vorsorgeuntersuchungen verabreicht. Nach aktuellem medizinischem Wissensstand sind bei der empfohlenen Anwendung keine gesundheitlichen Risiken durch eine Überdosierung oder relevante Nebenwirkungen bekannt.
Frühere Vermutungen, dass eine Vitamin-K-Gabe per Injektion das Risiko für Leukämie erhöhen könnte, haben sich in großen wissenschaftlichen Studien nicht bestätigt.
Besonders wichtig ist die Vitamin-K-Gabe für Frühgeborene sowie für Babys, die per Kaiserschnitt geboren wurden oder nach der Geburt gesundheitliche Probleme hatten. Auch wenn die Mutter während der Schwangerschaft bestimmte Medikamente, beispielsweise gegen Epilepsie, Tuberkulose oder zur Hemmung der Blutgerinnung, eingenommen hat, wird die Vitamin-K-Gabe aus medizinischer Sicht ausdrücklich empfohlen.
Die vorbeugende Gabe von Vitamin K kann dazu beitragen, seltene, aber gefährliche Blutungen – insbesondere Hirnblutungen – zu verhindern. Wie bei jedem Medikament können auch bei Vitamin K Nebenwirkungen auftreten. Schwere allergische Reaktionen sind jedoch extrem selten.
Nach einer komplikationslosen Spontangeburt haben viele Neugeborene zunächst ausreichende Vitamin-K-Reserven. Dennoch empfehlen medizinische Fachgesellschaften die vorbeugende Vitamin-K-Gabe für alle Neugeborenen, da sich ein Vitamin-K-Mangel äußerlich nicht sicher erkennen lässt und schwerwiegende Blutungen damit zuverlässig verhindert werden können.
Neugeborene kommen grundsätzlich mit nur geringen Vitamin-K-Reserven zur Welt. Bestimmte Umstände, wie eine Frühgeburt, einige Erkrankungen oder Medikamente der Mutter während der Schwangerschaft, können das Risiko für einen Vitamin-K-Mangel zusätzlich erhöhen.
Ein früher Hautkontakt sowie das Stillen mit dem vitaminhaltigen Kolostrum (Vormilch) unterstützen den guten Start ins Leben und bieten viele gesundheitliche Vorteile. Eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft trägt außerdem zu einer guten Versorgung des Babys mit wichtigen Nährstoffen bei.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung im Einzelfall.
Quellen: Dr. med. Anne Katrin Rothe, Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM)